Sinnverlust, Spiritualität und Selbsttranszendenz in der Postmoderne: Psychotherapiewissenschaftliche Perspektiven auf Karl Nowotnys Mediale Schriften

Autor/innen

  • Iris Wenzl-Fritz

DOI:

https://doi.org/10.15136/2025.12.2.61-82

Abstract

Die Postmoderne wird als Epoche eines „Verlustes von Sinn und Transzendenz“ beschrieben, in der traditionelle religiöse und spirituelle Ordnungssysteme erodieren und damit Urvertrauen, Selbst‑ und Weltbezug fragil werden. Diese Entwicklung führt zu ontologischer Verunsicherung und begünstigt Rückzüge in materialistisch bzw. alltagszentriert organisierte Lebenswelten, die sich klinisch in diffuser Sinnleere, chronischer Langeweile und innerer Entfremdung niederschlagen können. Als kompensatorische Strategie wird ein erlebnisorientierter Konsum identifiziert, der Glück und Sinn primär an äußere Reize bindet und intrapsychische Prozesse von Reflexion, Integration und Reifung in den Hintergrund treten lässt. Zwar ist ein wachsendes Interesse an als sinnstiftend wahrgenommenen Praktiken (z.B. Yoga, TCM, Selbsterfahrung, esoterische und szenespirituelle Angebote) zu beobachten, doch bleibt deren nachhaltige Wirksamkeit im Sinne stabiler Einstellungs‑, Verhaltens‑ oder Strukturveränderungen fraglich. 

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Veröffentlicht

2025-12-27

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