Zwischen „German Gaze" und strategischer Inszenierung

Überlegungen zu Sayyida Salmes Memoiren (1844-1924)

Autor/innen

  • Ozan Zakariya Keskinkiliç Expert*innenkommission gegen antimuslimischen Rassismus

DOI:

https://doi.org/10.34809/2025.01.99-105

Schlagwörter:

Rassismus, Subjektivierung, Strategischer Essentialismus, (Auto)Biografisches Schreiben, German Gaze, Selbst-Orientalisierung

Abstract

Der Artikel analysiert Sayyida Salmes „Memoiren einer arabischen Prinzessin“ (1886) als literarisches Selbstzeugnis im Spannungsfeld von kolonialem Blick, rassifizierten Adressierungen und autobiografischer Schreibpraxis. Ausgehend von literatur- und rassismus-theoretischen Überlegungen untersucht der Beitrag, wie Salmes Schreiben koloniale Diskursregime affirmiert, unterwandert und/oder neu verhandelt – etwa durch Strategien der Selbst-Orientalisierung, diskursive Verschiebungen oder das Spiel mit Fremdbezeichnungen. Das Konzept des „German Gaze“ dient dabei als analytisches Werkzeug, um die strukturelle Einbindung des Textes in koloniale Wissensordnungen sichtbar zu machen. In der Auseinandersetzung mit ihrer ambivalenten Position zwischen politischer Inszenierung und biografischer Intimität stellt der Beitrag die Frage, wie (post-)koloniale Subjekte zurückschreiben können, ohne in die Reproduktion rassifizierender Narrative zu verfallen. Damit wird das autobiografische Schreiben nicht nur als Quelle für historische Repräsentationen, sondern als Ort strategischer Ambiguität und epistemischer Gegenwehr reflektiert.

Autor/innen-Biografie

  • Ozan Zakariya Keskinkiliç, Expert*innenkommission gegen antimuslimischen Rassismus

    Ozan Zakariya Keskinkılıç, Dr. phil, Politikwissenschaftler und freier Autor, lehrt und forscht zu (antimuslimischem) Rassismus, Antisemitismus, Orientalismus sowie Subjekt, Erinnerung und Selbsttechnologien. Er ist Autor mehrerer Bücher, u.a. „Muslimaniac. Die Karriere eines Feindbildes“ (2023), „Die Islamdebatte gehört zu Deutschland“ (2019) und „Muslimischsein im Sicherheitsdiskurs. Eine rekonstruktive Studie über den Umgang mit dem Bedrohungsszenario“ (2021, zs. mit Iman Attia und Büşra Okcu). Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist er im Literaturbetrieb und im Bereich der kritischen Kunst- und Kulturproduktion tätig. Keskinkılıç ist Mitglied der Berliner Expert*innenkommission gegen antimuslimischen Rassismus. Zuletzt erschienen: Keskinkılıç, Ozan (2025): Muslimische Existenzkünste. Selbsttechniken und Subjektivierungsprozesse angesichts des antimuslimischen Rassismus. Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin.

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Veröffentlicht

2025-12-17