Sehen, ohne gesehen zu werden, widerstehen, um nicht vereinnahmt zu werden.
Muslimische Antworten auf westliche Kopftuchmonologe
DOI:
https://doi.org/10.34809/2025.01.62-74Schlagwörter:
Schleier, antimuslimischer Rassismus, Orientalismus, Kolonialismus, Selbstbestimmung, GesellschaftskritikAbstract
An Kopftuchdiskursen sind vornehmlich Menschen beteiligt, die kein Kopftuch tragen. Es stellt sich daher die Frage, wie im Kontext des antimuslimischen Rassismus aus einer nicht-bedeckten Perspektive die „Kopftuchmonologe“ analysiert werden können. Schließlich handelt es sich dabei um einen hegemonialen Diskurs, der nicht nur die Bekleidungsgewohnheiten von Frauen betrifft, obwohl vor allem sie diejenigen sind, die seine Folgen tragen müssen. Das Kopftuch bzw. der Schleier werden bereits in kolonialen Kontexten zum Politikum gemacht und stehen gleichermaßen für die Verhinderung von Erkenntnissen über und Einfluss in wesentliche Bereiche der kolonisierten Gesellschaften als auch für den Widerstand gegen koloniales Begehren und Eindringen. Die historische Perspektive kann Aufschluss darüber geben, auf welche Tradierungen aktuelle Kopftuchdiskurse zurückgreifen und wie sie heute geformt werden. Die Selbstpräsentation als fortschrittlich und gerecht gerät in Widerspruch zur Praxis von Bevormundung, Regulierung und Disziplinierung. Wie kann mit diesen Widersprüchen und Ambivalenzen umgegangen werden – und was hat das mit Kopftuch-tragenden Frauen, Muslim*innen im Allgemeinen und dem Zustand der Gesellschaft zu tun?