»Assholism« – Überkompensation oder Rücksichtslosigkeit? James’ »assholism«, Rousseaus allgemeiner Wille und Adlers Überkompensation in Diskussion

Autor/innen

  • Martin Jandl Sigmund Freud PrivatUniversität

DOI:

https://doi.org/10.15135/2015.3.2.58-71

Abstract

Mit Assholes. A Theory legt Aaron James 2012 einen New York Times-Bestseller vor. Der Grund für die Popularität des Büchleins mag einerseits am witzig-provokanten Titel liegen. M.E. liegt darin nur ein Teil des Erfolgs begründet: James legt nämlich eine durchaus interessante Theorie vor, die neben der Möglichkeit gegen Politiker und andere Persönlichkeiten der (amerikanischen) Öffentlichkeit zu raunzen, eine interessante Grundthese enthält. Das Arschloch erfährt durch James eine präzise Definition und eine, zumindest ansatzweise vorhandene, psychologische und sozialphilosophische Grundlegung. Und es regt an, nachzufragen, ob man nicht selbst ein Arschloch ist – oder im Begriff, eines zu werden.

In diesem Essay wird Aaron James’ good theory of assholism diskutiert und, vermittelt über Rousseaus Gesellschaftstheorie, mit Alfred Adlers Überkompensation verknüpft. Ob James die Überkompensation neu entdeckt oder ein Phänomen des beginnenden 21. Jahrhunderts erfasst, ist die zentrale Schlussfrage, die zu weiterer Forschung anregen soll.

Autor/innen-Biografie

Martin Jandl, Sigmund Freud PrivatUniversität

MMag. Dr. Martin J. Jandl

International Department der Sigmund Freud PrivatUniversität

Freudplatz 1

1020 Wien

Derzeitiger Forschungsschwerpunkt:

Experimentalhermeneutik und bizarrosophische Irritationstechniken, Philosophie und Psychotherapie, Sprachphilosophie und Ontologie

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Veröffentlicht

2015-12-01

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Artikel