Fiktion Willensfreiheit. Warum sie problematisch ist und wir sie dennoch brauchen

Autor/innen

  • Herta Brinskele

DOI:

https://doi.org/10.15136/2025.12.2.34-46

Abstract

Wenn wir mit Alfred Adler Willensfreiheit im Sinne einer Fiktion verstehen, tun sich bislang wenig beachtete Perspektiven auf, über dieses komplexe Thema nachzudenken. Die Frage, ob es Willensfreiheit gibt oder nicht, gerät in den Hintergrund und das Phänomen der Willensfreiheit, insbesondere das subjektive Erleben, wird zum Fokus der Untersuchungen.

In meinem Beitrag werde ich versuchen, Krankheitsbilder als je unbewusste Stellungnahme zum Thema Willensfreiheit herauszuarbeiten. Wobei es zunächst darum gehen wird, diesen Begriff einzugrenzen und vor dem Hintergrund der Theorie des Mentalen bei Alfred Adler zu reflektieren.

Wenn wir uns beispielsweise näher mit der Konfliktdynamik von Autonomie und Abhängigkeit beschäftigen, oder die Auseinandersetzung mit dem Tod in den Blick nehmen, drängt sich das Thema Willensfreiheit geradezu auf und es wird deutlich, wie bedeutsam dieser Fokus für das Verständnis individueller Leidensgeschichten sein kann.

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Veröffentlicht

2025-12-27

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