Bezogen erzogen – Unterstützung pädagogischen Handelns durch Psychotherapiewissenschaft und klinische Entwicklungspsychologie im Kontext ethnischer Diversität: Ein interdisziplinärer Zugang zur Optimierung des Schulunterrichts

Brigitte Sindelar

Abstract


Gegenstand

Gemeinsamer Wirkfaktor von Psychotherapie und Pädagogik ist die Beziehung. Dennoch wird psychotherapeutische Kompetenz in der Pädagogik bislang wenig genutzt. An einer Grundschule in Wien wurde das pädagogische Team über ein Schuljahr durch  entwicklungspsychologische Fortbildung und psychotherapeutische Supervision unterstützt. Die besondere Situation dieser Schule ist ein Anteil von über 90 Prozent an Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund, von über 80 Prozent von Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch, und in einem um religiöse Inhalte und eine weitere Sprache und Schrift erweiterten Unterrichtsstoff.

Methoden

Zu Schuljahresbeginn wurden Lese-, Rechtschreib- und Rechenleistung, Motivation, Selbstwert und aggressives Verhalten der Kinder mittels standardisierter Verfahren erhoben. Zur Evaluierung des Effekts der Supervision der Lehrpersonen auf die Kinder wurden die Tests ein Jahr später wiederholt. Mit den Kindern selbst wurden keine Interventionen gesetzt.

Ergebnisse

Die Leistungen der Kinder im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen waren signifikant verbessert,  Störungen sozialer Interaktionen hatten signifikant abgenommen.

Schlussfolgerungen

Der Aufwand für die Klassenteams von nur etwa 13 Stunden während eines Schuljahres weist diese Form psychotherapiegestützter Pädagogik als hocheffizient mit einem optimalen Verhältnis von Kosten zu Nutzen aus.

Schlüsselworte

Pädagogik, Diversität, Psychotherapiewissenschaft, Supervision, Unterrichtsoptimierung


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DOI: 10.15136/2017.4.1.1-28

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