Psychoanalytische Überlegungen zur Gier im wirtschaftlichen Alltag

Autor*innen

  • Alexander Schall privat

DOI:

https://doi.org/10.15135/2020.8.2.92-105

Abstract

Gier ist ein unersättliches Verlangen, das über die Bedürfnisse des Subjekts hinaus geht. Die Gier ist ein Schutz gegen die Angst zu  zu sterben. Trotz des Versuchs ein libidinös besetztes Objekt zu verschlingen geht es verloren. Die Gier ist keine Abwehrstrategie, sondern ein Symptom, das in gefährlichen Situation hilft und so lebensnotwendig erscheint. Die Gier stellt eine Form von pervertierter Liebe dar. Offensichtlich wurde das durch die Finanzkrise. Das Ziel war losgelöst von einem Zweck, es ging nur noch um Gewinnmaximierung. Wenn man über Gier nachdenkt, meint man daher meist die Auswüchse davon. Im Beruf verschlingen so narzisstische Manager ganze Teams, haben damit kurzfristig zwar Erfolg, doch oft mit der Folge, dass Organisationen nach exzessivem Missbrauch ins Wanken geraten. Im Alltag finden sich Beispiele, die zeigen, dass Menschen aufgrund von Gier irrationale Entscheidungen treffen und auf ihre verführerische Wirkung reinfallen. Unerklärliche Betrugsfälle erscheinen in diesem Kontext auch besser verständlich. Dieser Mechanismus wird aber auch von Unternehmen eingesetzt, um Kunden zu binden und um Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu motivieren. Die Gegenposition zur Gier ist Zufriedenheit mit dem was da ist, also unangenehme Situationen anzunehmen und damit umzugehen lernen.

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Veröffentlicht

2020-12-23

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